Archiv für den Monat: September 2014

Welche Legitimation haben Regelungen zu Fetischpartys in unserem Kurhaus?

Eine Sado-Maso-Party im Königlichen Kurhaus Bad Reichenhall empört CSU-Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber. In einem Interview mit der »Südostbayerischen Rundschau« sprach sie davon, dass das Haus jetzt »entweiht« sei. Unaufgeregter und toleranter sind hingegen die Kommentare auf zahlreichen Facebook-Seiten, von »die Welt hat Sorgen« bis »sollen froh sein, dass es Leute gibt, die dort Feste feiern wollen« reicht die Meinung der User. Tatsächlich aber haben auch andere Häuser ein »Problem« mit Fetisch-Partys, »eine solche Feier würden wir bei uns ablehnen«, so zum Beispiel Sabine Schwaiger vom Salzburger Kongresshaus. Auch das Kongresshaus Berchtesgaden würde SM-Partys nicht durchführen »da hätten wir Probleme mit der Bevölkerung«, so Hausleiter Sepp Wenig.  (Berchtesgadener Anzeiger).

Da es das von uns finanzierte Kurhaus ist, frage ich mich schon, wer zu bestimmen hat, dass darin Fetischpartys nicht statt finden dürfen. Um mal eine Vorstellung zu bekommen, was eine Fetischparty überhaupt sein könnte, beziehe ich mich auf diese Darstellung einer Hamburger “Fetischparty”. Wenn ich alles zusammenfasse habe ich den Eindruck, es handele sich um eine eng thematisierte Faschingsparty, allerdings und immerhin “bei der die Toilettendame schon einmal die eine und andere Kette festhalten muss, bis der Herr oder die Herrin zurückkommt.” Am Rande möchte ich darauf hinweisen, dass der engagierte Theaterbesucher durchaus von Aufführungen berichten kann, bei denen auf offener Bühne der Coitus und andere Sexualpraktiken zur Schau gestellt wurden.
Für die Fetischisten scheint es allerdings gar nicht so sehr um den Coitus zu gehen: Ich zitiere aus dem angegebenen Text: “Ein anspruchsvolles und aufregendes Fest für Leute, die ihre Vorlieben für Fetisch, Lack und Leder teilen wollen und sich gern präsentieren”, beschreibt sie das Party-Konzept. Auch werde der SM-Szene mit den “Playrooms” etwas geboten. Ein Swinger-Treffen sei die Obsession nicht, sondern ein “elitäres Fest”.
Gibt es also wirklich einen substanziellen “entweihungsfördernden” Unterschied zwischen einer so benannten “Fetischparty” und einer Faschingsparty mit dem Thema “andere Länder – andere Sitten” usw.? Auch hierbei möchte ich den bunten Strauß unserer Sittsamkeit ergänzen, in dem ich darauf verweise, dass in den meisten bayerischen Gasthäusern anlässlich von Faschingsbällen die Zimmer nicht an “Fremde” vermietet werden, sondern gern an Honoratioren oder von fixen Wirtinnen auch mehrmals pro Nacht zum Quickie.
Also ich bin zwar jemand, der ca. 30 % meiner Theaterbesuche und zwar ohne eifersüchtige Begleiterin aus Protest gegen die freizügige Präsentation v.a. der Schauspielerinnen vorzeitig, aber diskret zur Pause beendet hat. Aber ich kann nicht akzeptieren, wie hier ein Häufchen Moralapostel in der Verwaltung für die Moral und Weihe ihrer Gemäuer Verantwortung übernehmen will und sehr willkürlich ***engere*** Grenzen ziehen will als sie der Gesetzgeber in einer Vielzahl Gesetzen gezogen hat.
Übrigens fiel mir bei der Suche nach der Wortbedeutung von Fetisch (Anbetung, Verehrung, Vergötzung, Fetischismus, Hochachtung, Pflege, Kult) auf, dass man genau genommen gerade in Reichenhall und beginnend im Haus gegenüber regelmäßige Fetischveranstaltungen antrifft.