Archiv für den Monat: März 2011

>Gerald Hennenhöfer muss raus aus der Atomaufsicht

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(geb. 1947)[, gelernter Jurist. Verkörpert wie kaum ein anderer in Deutschland das Prinzip Drehtür. In seiner Person verschmelzen Atomindustrie und Umweltministerium. Hennenhöfer ist seit Dezember 2009 erneut Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium unter Norbert Röttgen, ein Posten den er bereits in den 1990er Jahren unter der damaligen Umweltministerin Angela Merkel inne hatte.
Gerald Hennenhöfers Wechsel vom Atomaufseher zum Atomlobbyisten (1998), dann zum Atomberater (2004) und schließlich erneut zum Atomaufseher (2009) sorgten zum Antritt der Regierung Merkel/Westerwelle für viel Wirbel in der Presse.

>geht es um Unterstützung des libyschen Volks?

>Da war ja vor kurzem noch innige Freundschaft angesagt:
10.12.2007 (Spiegel)
Präsident Nicolas Sarkozy will Gaddafi am Nachmittag sowie erneut am Mittwoch im Elysée-Palast in Paris empfangen. Nach Angaben seines Sohns Seif al-Islam al-Gaddafi will der Revolutionsführer Waffen, Atomtechnologie sowie Airbus-Flugzeuge kaufen. Es geht um Wirtschaftsverträge in Milliardenhöhe, unter anderem auch um den geplanten Bau eines Atomkraftwerks in Libyen. Bei seinem Besuch will Gaddafi – der jahrzehntelang weltweit geächtet war – auch mit französischen Abgeordneten sprechen.


Sarkozy hatte den libyschen Revolutionsführer einen Tag nach der Freilassung von fünf bulgarischen Krankenschwestern im Sommer in Tripolis besucht und mit ihm unter anderem den Kauf von Raketen und eines Atomkraftwerks vereinbart. Es ist der erste Frankreich-Besuch von Gaddafi seit 34 Jahren.


War da noch mehr? Erklärt sich der französische Übereifer bei der Befreiung Libyens vielleicht als Versuch, sich eines Gläubigers zu entledigen?



Libyen will Sarkozys Wahlkampf finanziert haben

Libyen hat nach eigenen Angaben den Wahlkampf des jetzigen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy finanziert und will jetzt das Geld zurück.

“Wir haben alle Details und sind bereit, sie publik zu machen”, sagte Saif al-Islam, einer der Söhne des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi, in einem Interview für den TV-Sender EuroNews.


Kleine Zeitung: Ohne Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hätte es den “Militäreinsatz zum Schutz des libyschen Volkes”, den Luftkrieg der internationalen Koalition gegen Gaddafi, nicht gegeben. Als entschlossenster Kriegsherr darf sich Sarkozy der Flugverbotszone rühmen und der weiteren Erfolge, welche die Staatengemeinschaft noch zu erringen hofft. Man werde die UN-Resolution zum Schutz des libyschen Volkes “mit allen Mitteln, zumal auch militärischen” umsetzen, so Sarkozy; das Tor zu Diplomatie werde sich erst wieder öffnen, wenn der libysche Herrscher alle Angriffe einstelle.
Sarkozy, der innenpolitisch schon abgeschrieben schien, ist so mit Glanz und Gloria auf die politische Bühne zurückgekehrt. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon preist “die Führungsstärke des französischen Präsidenten”, auch im eigenen Land findet sein Libyen-Krisenmanagement ungeteilte Zustimmung. Umgekehrt wird der Franzose an erster Stelle den Kopf hinhalten müssen, sollte Gaddafi den Luftangriffen trotzen, die Mission der internationalen Gemeinschaft zum Desaster geraten.

>Fahrverbot? nein -> vorauseilende Richtreflexe!

>PNP: Auf der Bergener Brücke, wo eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 80 km/h gilt, war der 650 PS starke  weiße Mercedes mit 163 km/h gemessen worden. Der Fahrer Oliver Kahn beeinspruchte den Bußgeldbescheid: Er habe Tempo 80 km/h eingehalten. Die Messung war aber mit einem geeichten Messgerät erfolgt. Da brachte ein Privatgutachter die Behauptung ins Spiel, ein „vorauseilender Lichtreflex“ habe 1,5 Meter vor der Messlinie entfernt die Photodioden ausgelöst. Der Gerichtsgutachter schloss sich dem an. „Ein Sonderfall. Es lag wahrscheinlich am Wetter, an der Art und Farbe des Autos. Dumm gelaufen. Der messtechnische Sachverständige, Prof. Dr. Jochen Buck, sprach von einem ihm noch nie vorgekommenen „Sonderfall“. Als geeichtes Messgerät diente ein „Einseitensensor“, ein Fotogerät, das manchmal durch Schatten in Verbindung mit schwarzen oder weißen Wagen keine Messungen liefert. Ein Elektronikingenieur, Entwicklungsleiter bei dem Messgerätehersteller in Tettnang, verneinte Falschmessungen durch reflektierte Sonneneinstrahlung. Das Messsystem mit mehreren Sensoren könne ein Fahrzeug „sehen“ bei der Durchfahrt. Durch „vorauseilende Effekte“ wie Sonnenstrahlen könne das System zwar gestartet werden. Das hinterher kommende Fahrzeug werde aber erkannt und gemessen.

Der Traunsteiner Amtsrichter Rainer Vietze meinte, im Zweifel sei Kahn vom Vorwurf freizusprechen, nach drei vorangegangenen Verkehrsdelikten wieder zum „Verkehrssünder“ geworden zu sein. aus Passauer N

Die Staatsanwaltschaft prüft ein Rechtsmittel. Man fragt sich, was kostet so ein Gutachten, unter welchen Umständen sind solche Lichtreflexe 100%ig auszuschließen, wann kann man solche Lichtreflexe eigentlich nicht zu seinen Gunsten beanspruchen? (Näheres zur Spezifikation des Lichtreflex konnte ich nicht ergoogeln).

>keine gefährliche Strahlung!

>6.45 Uhr: Der aus Japan stammende Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, wird bei seinem Besuch des Landes das schwer beschädigte Kernkraftwerk nicht besichtigen. (orf)-


ach ja, keine gefährliche Strahlung vorhanden!

>Ungenehmigter Kurswechsel bei AKWs

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Paradigmenwechsel ereignen sich ungefragt, sprunghaft. Plötzlich gelten neue Prämissen und Glaubenssätze. Die Vertreter des alten Denkmodells formulieren juristische Probleme, appellieren an Vernunft und fordern geordneten Rückzug. Hat  sich nun nach den Ereignissen in Japan bei uns wirklich nichts geändert? Doch. Es wurde bisher bei Kernkraft nur über ein winzig kleines Restrisiko gesprochen. Plötzlich haben aber viele begriffen, wenn der ganz unwahrscheinliche Schadensfall einmal eintritt, können sich für alle und für alle Zeiten negative Konsequenzen ergeben. Die schnelle Abschaltung von 7 Kraftwerken weist auf, dass viele angebliche sachstrukturelle Notwendigkeiten nur das Herrschaftsinteresse der großen Stromkonzerne kaschieren. Es geht offenbar viel schneller und es geht täglich kurzfristiger auch ohne. Jedes einzelne abgeschaltete AKW ist ein Gewinn, der Verweis auf die anderen Länder ist  Geschwurbel. Berechnungen mit Kostendifferenz von wenigen Cents verlieren angesichts der Eindrücke der  Fernsehbilder an Plausibilität.
Besonders beeindruckt hat mich, wie nun plötzlich Missstände aufgedeckt werden und zwar nicht nur in Japan waren die Probleme eigentlich bekannt, sondern in jedem Werk, überall und auch bei uns werden systematisch Probleme vertuscht, also Messgeräte, die zu viel anzeigen, als defekt weggeschmissen, Messgeräte in Filter eingepackt, Inspektionsdaten gefälscht und unterschlagen, Störungen nicht dokumentiert … Von wegen Restrisiko. Wir, und anscheinend auch die Japaner hatten bisher unwahrscheinlich viel Glück, das könnte sich in jedem Augenblick ändern.

>Wind auf Tokio

>Die Wetterlage in Japan bereitet Experten Sorgen: Seit Stunden weht der Wind die Strahlung aus dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima genau in Richtung Tokio. Meteorologen hoffen, dass er bald dreht – gerade noch rechtzeitig, um die Radioaktivität aufs offene Meer zu tragen. (Spiegel)

                            Hintergrund: Warum eine Evakuierung von Tokio unmöglich ist



>Fukushima Umgebung 400 Millisievert/h

>Was hat das für Konsequenzen?

Laut dem Video in der Mitte dieser Seite, ab Minute 5:55 – deterministisch/unbedingt schädlich sind Werte > 250 Millisievert/h

Vergleich mit Hiroshima ist schwierig: Bei der Bombe war die Sprengkraft schädlich. Eine Einschätzung des Strahlungsschadens insgesamt ist derzeit kaum möglich.

Eine Erweiterung des Radius der Evakuierung erscheint angebracht.

>aus physikalischen Gründen explodieren westliche genehmigte Kernkraftwerk nicht

>”Ein nach westlichen Standards gebautes und genehmigtes Kernkraftwerk kann aus physikalischen Gründen nicht explodieren. Es ist technisch so ausgelegt, dass bei allen Arten von Störfällen ein nennenswerter Schaden in der Umgebung der Anlage vermieden werden kann”, heißt es in einer Mitteilung der Regierung von Niederbayern.(in) -

Wie BILD erfuhr, hat das CSU-Präsidium gestern in einer Telefonkonferenz beschlossen, den Reaktor Isar I bei Landshut sofort abzuschalten und nicht mehr ans Netz gehen zu lassen. Umweltminister Markus Söder (43) wird dazu am Donnerstag eine Regierungserklärung vor dem Landtag abgeben.

Nachdem “technisches Niveau” bei Japan nicht wirklich als Argument herhalten kann, ist die einzige mögliche Ausrede, wir bräuchten keine Tsunami zu befürchten, natürlich auch schon da. Der aufmerksame Leser muss allerdings konstatieren,   dass dafür die Möglichkeiten zum Kühlen und Runterziehen der Radioaktivität durch Meerwasser ebenfalls sehr begrenzt sind. Es ist übrigens interessant, wie nun auch dieWikipediabeiträge sich dieser neuen Sichtweise anpassen – wie es scheint, haben nicht die Japaner besonders viel Pech, sondern wir alle bisher immenses  Dummenglück beim Einsatz der Kerntechnik gehabt …

>Keine Visumspflicht für Japaner!

>Gemäß § 41 AufenthV benötigen Staatsangehörige von Japan auch für einen längerfristigen Aufenthalt kein Visum. Momentan sind stark steigend einige hunderttausend J. unterwegs. Obwohl viele Nachrichten darauf hinauslaufen, die Japaner als stoisch auf Ihr System vertrauend darzustellen, gibt es auch Interviews mit anderen Meinungen.


Nachdem nun wir uns wahrscheinlichkeitstheoretisch in einem Szenario befinden, das gänzlich unwahrscheinlich ist “we’re in a land where probability says we shouldn’t be”, scheint es mir schon sinnvoll darüber nachzudenken, ob in der Folge nicht auch Wahrscheinlichkeiten für an sich gänzlich Unerwartetes ansteigen (wieder mal Taleb) . Eine Übertragung an Radioaktivität können wir anscheinend weitgehend ausschließen. Aber, hmm