Archiv für den Monat: Februar 2011

>Bildungsministerin fordert Deutschtests für Deutsche

>Langsam kommt es oben an, laut Pressemitteilung des BMBF haben wir 7,5 Mill Analphabeten im Land, 58% haben Deutsch als Muttersprache. Da kann es eigentlich doch nicht sein, dass man Ausländer zum Deutschewerden im Test für Zuwanderer einen Aufsatz schreiben lässt, – 48 Prozent besitzen einen Hauptschulabschluss, 19 Prozent sogar Mittlere Reife.

Und da reden wir mal von LLL (Life Long Learning): Ich schätze mal, dass anhaltende Arbeitslosigkeit, fade Jobs – kein Geld für Kurse, keine Anerkennung irgendwelcher Weiterbildung in breiten Kreisen, ersatzweise eine Verherrlichung / Vergötterung / Verguttenbergung von scheinbar unerreichbaren Idolen dazu beitragen. So erklärt sich manches.

>Postbank wird in Deutsche Bank Politik integriert

>Der Einfluss der deutschen Bank auf das Privatkundengeschäft der zu übernehmenden Postbank wächst.
Nachdem die Postbank 15% Provision für den Vertrieb des Fond MCT 3 kassierte, waren sie nach wenigen Monaten wertlos, das Geld sollte aus der Weltmeisterschaft Profit schlagen, ist aber in Südafrika verschwunden. Auch nach Bekanntwerden der Misere wurden die Papiere noch weiterverkauft.

Die Postbank will demnächst ähnliche sportive Papiere auflegen. Ich gebe auch noch das Quartalssparen zum Abschuss frei.

Man merke: Außer zum Briefmarkenkauf sollte man die Post eher nicht aufsuchen. Mal sehen, wie weit die “Privatkunden” sich noch weiter ausnehmen lassen.

>Idee stammt von einem V-Mann

>Wir werden ja prima beschützt:

Auf die Idee, mit Bombenanschlägen in Deutschland zu drohen, habe ihn ein V-Mann der Polizei gebracht. Dieser sei auch der Sprecher auf einem der Videos.
Zugleich räumte der 19-Jährige Kevin aber ein, die in den Videos erwähnten „zehn deutschen Mudschaheddin“, die angeblich zu Anschlägen in Deutschland bereit gewesen sein sollen, habe es nicht gegeben

>US-Datenkraken

>Nachdem der deutsche (europäische) Kreditkartenumsatz komplett über US-Rechner läuft, auch unsere Bucheinkäufe via amazon offensichtlich auch zwischen .de und .com transparent sind, brauchen wir uns über das Verhalten des EU-Parlaments beim Thema Swift nicht allzu viel Gedanken machen.

Bei Cicero finde ich folgenden weiteren Hinweis: mangels Harmonisierung zwischen D/EU und USA: “Nationale oder sogar europäische Gesetze drohen irrelevant zu werden.”

Z.B. hätte Google jüngst mit Telefongesellschaften einen Datentausch vorgeschlagen. Wie man so hört, stehen auch die Verhandlungen zwischen Google und der staatlichen US-Datenkrake NSA zur Zusammenarbeit vor dem Abschluss. Sollte man also Google meiden, das virtuelle Büro nur über einen eigenen Server mit vielfacher Verschlüsselung betreiben?

Denke mal es sind wichtige Gründe, wirklich Wichtiges in gar keine elektronische Tastatur einzutippen.

>Innenminister de Maizière: Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Innenministers

>Nach der unendlichen (?) Geschichte zum Euro, nun vom ehrlichen Karl Xerox zu Googleberg (und vielerlei persönlicheren Erfahrungen) fühle ich mich darin bestärkt, im Zweifelsfall davon auszugehen, dass die Informationen dieser Regierung bis auf Widerlegung ein Schmarren sind und nicht andersrum: So auch meine abschließende Einschätzung der Terrorwarnung, deren Grund uns im Detail nie mitgeteilt wurde, die wir auch nicht ernst nehmen sollten, aber doch. Dieses ganze Bedrohungsgeschwurbel seit letzten Herbst, auch die Reduzierung vor einigen Wochen erschien mir eh schon mehr als Aufblähung eines Bedrohungsszenarios, um die Vorratsdatenspeicherung als unabdingbar zu belegen.

“Nun haben deutsche Ermittler bei der Terroraufklärung einen Rückschlag erlitten. Nach Informationen des SPIEGEL haben sie den Kontakt zu dem Informanten verloren, der mit für die massiven Warnungen vom vergangenen November verantwortlich war.”

Im Artikel erfahren wir noch: Mitarbeiter einer Fluglinie, die Zweifel an seinem Pass hatten, wollten nachfragen, erhielten aber wegen Wochenende keine Auskunft (während zahllose Polizisten draußen ihren Dienst tun mussten, hatte man in der Zentrale keine Schicht). Nun ist der Informant weg. Wie lange dauert es wohl, bis der Rest der zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen abgebaut wird?

Herr Minister, irgendwie sind nicht nur da, sondern in Ihrem gesamten Ressorts die Resourcen falsch verteilt, weil die Bekämpfung des Terrorismus Sie so außerordentlich einseitig beansprucht! Oder sind vielleicht Sie am falschen Posten oder hat auch in Ihrem Fall einfach das Peter-Prinzip seine Gültigkeit erwiesen: „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“

>Astrium übernimmt Betreuungskommunikation der Soldaten im Einsatz

>Man könnte eine solche Meldung einfach registrieren und ablegen, sie erweckt bei mir einige Assoziationen.

(Unter „Betreuungskommunikation im Einsatz“ versteht die Bundeswehr die Bereitstellung von umfassenden Telekommunikationsmitteln und zugehörigen Diensten für die Soldaten im Auslandseinsatz. Astrium Services kann bereits auf ein Jahrzehnt Erfahrung in der Betreuungskommunikation zurückblicken mit Projekten für die britischen („WelComE“ Dienste) und auch für die französischen Truppen („Passerel“ Dienste). Durch den gesamteuropäischen Ansatz werden dem Dienst für die Bundeswehr Synergien zu Gute kommen, so dass die deutschen Betreuungsdienste nachhaltig von der höchst möglichen Qualität und Zuverlässigkeit profitieren.)

Man kann das zur Kenntnis nehmen und weglegen. Man kann es aber auch subsumieren unter “Die Lobby für einen privatisierten Militärsektor ist unermüdlich” (Der Link auf das Manuskript der Sendung Camouflage beim WDR5 ist leider verschwunden). Also kurzfristig wird anscheinend geprüft, ob man nicht endlich alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern an die Friedensfront delegiert, um der Bundeswehr beim Abrüsten zu helfen (Putzen, Wischen) – Kindergärten sollen den Dienst an der Waffe leichter werden lassen und attraktiver machen. Ab diesem Jahr  werden ja agenturgeförderte Existenzgründer als Kleinstrüstungsgewerbetreibende mit Bundeswehr-Übergangsgeldern gefördert werden.

In ein paar Jahren wird die Bundeswehr, wenn Soldaten benötigt werden, sich die Soldaten von einer Leiharbeitsfima (Personalleasing) holen, die Aufgaben vom MAD wird eine örtliche Detektivagentur (Detektei) wahrnehmen und die Feldjäger werden zum nächsten Einsatz mit der S-Bahn oder dem Regionalzug fahren (wenn die nicht gerade wieder streiken), weil der Fuhrpark-Service nicht genügend Fahrzeuge hat. (aus)

So wird Logistik und Militärtransport, die Truppenküche, Materiallager privatisiert. Denken wir mal nicht weiter drüber nach, wem eigentlich die Panzer und Flieger gehören. Aber: Wie können wir uns unter solchen Umständen “Verteidigungsbereitschaft” vorstellen? Ist die Bundeswehr nur noch ein Artefakt, um das Bruttosozialprodukt hochzuhalten? – oder ausschließlich als Zitze sich vorzustellen, an der staatliche Ressourcen von Partikularinteressen ausgesaugt werden.

Vielleicht könnte sich Guttenberg hier mit einer Neuauflage einer Dissertation versuchen, nicht mit dem üblichen Marketing-Geschwurbel, sondern mit einem klaren Gesamtkonzept. Dabei sind wohl  jedenfalls weniger BWL-Theorien gefragt.

>Bundeswehr will Geringqualifizierte anwerben

>Fefe beleuchtet diese Nachricht mit einer interessanten Perspektive: im Independent ist zu lesen, dass Mubarak befahl, dass die Demonstranten mit Panzern überrollt werden sollten. Die Soldaten hätten aufgrund des eigenen familiären Beziehungsgeflechtes zum Volk die Befehlsausführung verweigert. Dass ein verblödetes Militär, das durch weitere Privatisierung, Outsorcings usw. solchen Verflechtungen enthoben ist, sich zu einem willfährigem Spielball jeweiliger Machthaber entwickeln könnte ist sicher stichhaltig – Also gilt es im Auge zu behalten, wer könnte daran Interesse haben?

>Bundesbankpräsidenten

>Mit Einführung der europäischen Währung ist die Macht der Bundesbank stark geschrumpft – in den Feuilleton wurde damals diskutiert, welchen Sinn das Amt überhaupt noch haben könnte. Was soll dann das ganze aufgeblähte Getue? Die politischen Führungen belasten das ganze Volk  in kurzen nächtlichen Entscheidungen mit Bürgschaften in der Höhe von mehreren hundert Milliarden, angeblich zur Stützung anderer Staaten, aber wohl auch zur Absicherung der überschaubaren Anzahl Gläubiger der je eigenen Banken. Der Bundesbankpräsident soll angeblich seine Stimme für die deutsche Stabilitätskultur im europäischen Chor erheben. Das hat (auch zu DM-Zeiten) bei den letzten Präsidenten seit Schlesinger (93-93), Tietmeyer (94-99), Welteke (00-04) und Weber (04-11) jedenfalls im eigenen Land schon mal kaum Erfolg gehabt – hier überragte die Schuldenwachstumsrate die Wirtschaftsrate  jeweils um das 2,5-fache. In den Amtszeiten zuvor war das Verhältnis ziemlich ausgewogen. Es gibt also keinen sachlichen Grund zum Lob. Die Konstruktion einer Stabilitätsaura um diesen hochdotierten Austrags-Posten entlarvt sich als Ablenkung vom eigentlichen Problem: Wir fahren mit unserem Finanzsystem in immer größeren Geschwindigkeit auf ein schwarzes Loch zu und auch der neue Chef Weidmann kann und wird sich da nicht als Bremser hervortun.


>Karl-Theodor „Xerox“ zu Guttenberg

>Mich bedrückt: Große Teile unseres Volkes übertragen die lässliche Sünde, mal abzuschreiben auf das viel gewichtigere  und heute mehr als früher Karriere entscheidende akademische Promotionsverfahren. So hat unser Selbst-Verteidigungsminister gute Aussichten, bald wieder mit einer sauberen Weste dazustehen (wenn er sich entschuldigt, so Merkel). Die Dissertation ist allerdings genau genommen die einzige greifbare Leistung in der Biografie des jungen Ministers Er wird zwar in diesem Fall niemand anderem die Schuld zuweisen können und wird sich selbst entschuldigen müssen – am Rande sei vermerkt, dass er im “rechtsfreien” Internet mit einer Entschuldigung nicht aus einem Klageverfahren wegen Rechteverletzung rauskäme.  


Aber wenn ein Politiker einen bestimmten kritischen Anerkennungsgrad überschritten hat, kann er ziemlich machen was er will. Das hat in Deutschland und Bayern eine gute Tradition. Der Blick auf Italien vermittelt das Gleiche aus einer anderen Perspektive und in einem fortgeschrittenen Stadium. Wir dürfen gespannt sein, was uns da noch erwartet…