Wissenschaftler

Ich habe 1977 mein Studium der Erziehungswissenschaft im Schwerpunkt Sonderpädagogik mit einem Diplom in Mainz abgeschlossen (Diplom-Pädagoge, empirische Arbeit zum "Verhalten von Behinderten und Nichtbehinderten"). Darin wies ich die völlige Diskrepanz zwichen Einstellungen und tatsächlichem Verhalten auf. Während man bis dahin vorzugsweise propagandistisch die Integration Behinderter betrieb, wurde so die Notwendigkeit barrierefreier Umwelten zur Ermöglichung von Integration und Teilhabe von Behinderten deutlich. Darauf arbeitete ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sonderpädagogik in Mainz, war in der Lehrerausbildung und in verschiedenen Projekten zur Individualisierung von Unterricht tätig. Als Assistent von Prof. Ernst Begemann war ich als Statistiker wesentlich am Paradigmenwechsel von einer heilpädagogischen Sicht des Hilfsschülers mit Intelligenztests belegten Gehirndefiziten zu einer milieuorientieren, förderdiagnostischen Vorgehensweise beteiligt.
 
Durch meine Affinität zu Statistik und Computern sah ich im Förder- und Trainingsbereich eine sehr gute Anwendungsmöglichkeit für die damals aufkommenden Mikrocomputer und PCs. Ich initierte den ersten Kongress für Schule und Computer in der Sonderpädagogik und entwarf zu den ersten aufkommenden Computerräumen ein Gegenmodell mit einer "weichen" Einführung einer allgemeinen informationstechnischen Grundbildung. Damit wurde ich nach Bayern abgeworben, konnte mich hier gegenüber einer Lobby von Gymnasiallehrern, die Programmierunterricht favorisierten, nicht durchsetzen und habe mich ab 1987 im Bereich der Computerbildung selbständig gemacht. Im Gebiet SO-Oberbayern entwickelte ich das Unternehmen bis 1998 zum größten Bildungsanbieter bei der Arbeitsverwaltung mit einem Angebot von A-B-C-Admin-Abschlüssen im IT-Bereich, Deutschkursen v.a. für Russlanddeutsche und sozialintegrativen Maßnahmen. Mit meinen innovativen Ideen zur Digitalisierung entferte ich mich immer mehr von diesem Markt - Die Tatsache, dass wir auch um 2020 noch vorzugsweise Integrationskurse als Präsenzkurse mit 80%iger Anwesenheitspflicht abhalten, erwähne ich als Beispiel.

Seit 2010 wurde ich wieder konzentriert im akademischen Bereich tätig: unter der Überschrift "lifelong learning projects" an der TU Graz beschäftige ich mich mit der didaktischen und technischen Weiterentwicklung von  Vorlesungsaufzeichnungen und Streaming, also interaktiven Abspielern u.ä. Schon in meiner Anfangszeit an der Lernbehindertenschule beschäftigten mich PC-basierte Diagnosetools für Kulturtechniken. Nun konnte ich auf Basis von Internet und mobil zu benutzenden Apps diese Vorarbeiten realisieren. Unter Einsatz von studentischen Arbeiten im Hinblick auf deren Abschlüsse (Magisterarbeiten, Dissertationen) erstellten wir mit minimalem Aufwand zunächst einen 1x1-Trainer auf Desktop, iOS und Android zunächst als global verfügbares Diagnosetool. Wir konnten dann aber schnell beobachten, dass die Kinder Spaß daran hatten und wir auch Lernzuwachs verzeichnen konnten. Das begründete die Adaption des Ansatzes Learning Analytics im deutschsprachigen Raum. Die Programme wurden und werden erweitert: Training und Diagnose von Lesekompetenz & Sprachkompetenz. Ziel ist dabei, IT so einzusetzen, dass sie dem Lehrer hilft, Informationen, die beim Lernen mit Technik beobachtet werden können, auch zu einem Feedback zu verarbeiten, welches dem Lehrer und vor allem dem Schüler voran kommen hilft.

Inzwischen bin ich Rentner (2018) und als GS bei BIMS e.V. bin ich involviert in Innovationsanschübe auf vielen Ebenen mit dem Schwerpunkt "Bildung erreichbar machen", z.B. der Ausgabe von Bildungsgutscheinen, dem Projekt L3T und weiteren OER-Projekten, aber auch Projekte zu vielseitigem Technologie- und Medieneinsatz (Makerdays).
Gerade im Hinblick auf die Notwendigkeit immer größere Datenmengen zu untersuchen, beschäftige ich mich mit Verfahren zu Aufdeckung von gerichteten  Strukturen in großen (verrauschten) Datenmengen.